Awareness

Das KgKJH setzt sich für diskriminierungsfreie Räume in den angebotenen Fortbildungen, Seminaren, Tagungen, Trägerberatungen und auch in Kooperationsveranstaltungen ein. Wir fordern unser Team, die Mitglieder, die Referierenden und die Teilnehmenden zu einem achtsamen und bewussten Umgang miteinander und zur kollektiven Verantwortungsübernahme auf.

Um dies leichter garantieren zu können, verfügt das KgKJH über:

Verhaltenskodex des KgKJH für den Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Im Zentrum des Wirkens des KgKJH steht die Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit in allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe und in angrenzenden Arbeitsfeldern.

Dabei betrachten wir den Menschen ganzheitlich und bieten reflektierte Methoden an, die Wissen erweitern und Kompetenzen erhöhen. Insbesondere im geschlechterreflektierten methodischen Wirken bedeutet dies, dass wir uns bewusst darüber sind, dass wir Verantwortung tragen, denn alle Methoden und Übungen, die Verwendung finden, haben Botschaften, vermitteln Werte, erzeugen Haltungen und bewegen die Teilnehmer*innen in eine bestimmte Richtung. Unserem Handeln liegt ein emanzipatorisches Menschenbild zugrunde.

Menschen sind von Natur aus unterschiedlich. Die Heterogenität spiegelt sich auch gesellschaftlich im Umgang mit den Vielfaltsdimensionen Geschlecht, Alter, Religion, Migrationshintergrund, sexuelle Orientierung, Beeinträchtigung und Behinderung etc. wider. Die rechtliche Grundlage für ein diskriminierungsfreies Handeln ist gegeben. Die europäische Menschenrechtskonvention enthält in Artikel 14 ein Diskriminierungsverbot und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bietet einen guten Rahmen.

Qualitätskriterien in unserem Wirken für Geschlechtergerechtigkeit bilden u.a. die Herstellung eines fachlich adäquaten Nähe-Distanz-Verhältnisses zu den Teilnehmer*innen sowie eine offene und respektvolle Kommunikationskultur in den unterschiedlichen Bildungsformaten. Insbesondere im Umgang mit Medien und sozialen Netzwerken muss das Recht des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen am eigenen Bild gewahrt bleiben, Videos oder Fotos werden nur mit Einverständnis ins Internet gestellt oder anderweitig veröffentlicht.

Diesem Verhaltenskodex verpflichten sich die Mitarbeiter*innen des KgKJH, die durch das KgKJH ausgebildeten Trainer*innen für geschlechtergerechte Konfliktlösungsstrategien und die in der Vereinsdatenbank aufgenommenen Referent*innen durch das Unterzeichnen der folgenden Selbstverpflichtungserklärung [1]:

  1. Ich begegne Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Mitarbeiter*innen sowie Kooperationspartner*innen mit Respekt. Ich achte ihre persönlichen Grenzen und trage zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz bei. Ich hinterfrage Situationen, bei denen ich das Gefühl habe, dass Grenzen verletzt werden.
  2. Ich verzichte auf abwertende oder ausgrenzende Verhaltensweisen und Sprache und verhalte mich sexismuskritisch und diskriminierungssensibel im Austausch.
  3. Ich schütze Kinder und Jugendliche in meinem Tätigkeitsfeld vor körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt und akzeptiere sie in ihrer sexuellen Selbstbestimmung. Im Verdachtsfall von sexualisierter Gewalt oder bei der Aufdeckung von Übergriffen nehme ich kompetente (externe) Unterstützung, beispielsweise in Form von Fachberatung, in Anspruch und informiere die* oder den* Awareness-Verantwortliche*n des Vereins.
  4. Ich kenne und beachte die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Mir ist bewusst, dass jede sexuelle Handlung mit Schutzbefohlenen eine strafbare Handlung mit entsprechenden rechtlichen Folgen ist.
  5. Ich wahre das Recht des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen am eigenen Bild. Videos oder Fotos werden nur mit Einverständnis ins Internet gestellt oder anderweitig veröffentlicht (DSGVO Art. 8).

[1] In Anlehnung an das Checkheft Freizeiten

Awareness-Konzept

Was bedeutet „Awareness“?

Der Begriff „Awareness“ leitet sich aus dem Englischen „to be aware“ ab und bedeutet, „sich bewusst sein, achtsam sein, sensibilisiert sein“. Es ist ein emanzipatorisches Konzept und bedeutet, einen bewussten Umgang mit diskriminierungsverhältnissen zu haben. Hierbei stehen die Betroffenen im Mittelpunkt. Betroffen sind jene, die Diskriminierung erleben. Formen von Diskriminierung sind zum Beispiel Rassismus, Sexismus, Homophobie und Transfeindlichkeit. Diese und weitere Diskriminierungsformen sind für viele Menschen noch immer alltäglich.

Außerdem gibt es auch Formen von Diskriminierung und Herrschaft, welche in Institutionen verankert sind, wie zum Beispiel in der kapitalistischen Wirtschaft oder in Gesetzen. Das bedeutet, dass wir zwischenmenschliche Beziehungen, Strukturen und Institutionen beachten müssen. Awareness bedeutet also zum einen Prävention, also die Entwicklung von (zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und institutionellen) Bedingungen, durch die Diskriminierung und Gewalt verringert werden. Zum anderen bedeutet Awareness die konkrete Unterstützung von Personen, die Diskriminierung oder Gewalt erleben oder erlebt haben.

Privilegien

In allen Bereichen der Gesellschaft gibt es große Machtunterschiede. Dies lässt sich in drei Ebenen unterteilen:

  • institutionelle Ebene (z.B. Gesetze, Arbeitsmarkt)
  • zwischenmenschliche Ebene (z.B. Ausgrenzung, sexuelle Gewalt)
  • ideologische Ebene (z.B. Normen, Werte, Kulturen)

Die Machtunterschiede führen zur Bevorteilung (= Privilegien) und Benachteiligung (= Marginalisierung) von Menschen.In folgenden Beispielen wird dies verdeutlicht:

  • Ein Mensch mit viel Geld kann sich mehr Bildung leisten (z.B. das Erlernen eines Instrumentes, eine Privatschule) als ein Mensch mit weniger Geld. Das ist ein Privileg des Menschen mit viel Geld.
  • Ein Mann hat höhere Chancen, eine Führungsposition zu erlangen, als eine Frau. Das ist ein Privileg des Mannes.
  • Eine Person mit Gehbeeinträchtigung stößt im Alltag häufiger auf Barrieren (z.B. Treppen) als eine Person ohne Beeinträchtigung. Dadurch hat die Person ohne Beeinträchtigung ein Privileg gegenüber der Person mit Gehbeeinträchtigung.

Die hier beschriebenen Beispiele sind sehr einfach gehalten.

Häufig besitzt eine privilegierte Person in mehreren Verhältnissen mehr Chancen, als eine marginalisierte Person. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Person mit mehr Geld mehr Bildungsmöglichkeiten hat, jedoch auch in anderen Bereichen mehr Möglichkeiten/Privilegien besitzt.

Ebenso kann eine Person unterschiedliche Merkmale haben, die ihr einerseits Privilegien geben, sie andererseits aber auch marginalisieren. So hat zum Beispiel ein Schwarzer Mann gegenüber einer Schwarzen Frau das Privileg ein Mann zu sein, ist aber dennoch von Rassismus betroffen. Die Schwarze Frau wird hingegen einerseits aufgrund ihres Geschlechts, andererseits aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert, was bedeutet, dass sie von unterschiedlichen Diskriminierungsformen betroffen ist. Dies wird als Intersektionalität verstanden. Wichtig ist, unterschiedliche Diskriminierungsformen nicht gegeneinander auszuspielen.

Für einen sensiblen Umgang mit Diskriminierung ist es wichtig, dass uns unsere eigenen Privilegien bewusst werden. Indem wir uns gemeinsam mit den Machtverhältnissen auseinandersetzen, können wir sie ändern.

Wie wollen wir miteinander umgehen?

Wir möchten jede*n dazu auffordern, miteinander achtsam und aufmerksam umzugehen. Alle Teilnehmenden achten auf die eigenen Grenzen und Bedürfnisse und respektieren die Grenzen der anderen. Wir wollen während der Veranstaltung ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem alle Teilnehmenden die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren. Dies soll unabhängig sein von Nationalität, ethnischer Herkunft, sozialer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität sowie weiterer Unterschiede.

Wir wünschen uns, dass bei unseren Veranstaltungen alle zu Wort kommen können und wir voneinander sowie miteinander lernen. Dafür ist es wichtig, sich gegenseitig respektvoll zuzuhören. Lasst einander ausreden und seid offen für Positionen anderer – solange darin keine Diskriminierungen oder Grenzüberschreitungen enthalten sind.

Gemeinsam mit allen Teilnehmenden der Veranstaltung möchten wir offen über Diskriminierungen und Grenzverletzungen sprechen und Haltung zeigen. Neben dem Awareness-Team ist es notwendig, dass jede*r Einzelne Verantwortung übernimmt. Wenn ihr eine unangenehme Situation beobachtet, fragt nach, ob die betroffene Person sich okay fühlt. Bietet eure Unterstützung an.

Pronomen

Da man einem Menschen sein Geschlecht nicht ansehen kann, schreibt gerne auf eure Namensschilder eure Pronomen. Schreibt online ebenso gern eure Pronomen neben eure Namen. So können sich alle Personen mit den richtigen Pronomen ansprechen. Bitte geht respektvoll mit den Pronomen anderer um (siehe nibi.space/pronomen [letzter Zugriff: 24.01.2026]).

Umgang bei diskriminierendem oder grenzüberschreitendem Verhalten

Bei diskriminierendem oder grenzüberschreitendem Verhalten gilt die Sichtweise der betroffenen Person. Es geht um die eigenen Bedürfnisse und um die selbstständige Entscheidung, welche Unterstützung gewünscht ist.

Diskriminierungen können auch aus Versehen geschehen. Dennoch kann die Erfahrung für die betroffene Person schlimm sein. Wir wünschen uns, dass Diskriminierungen weniger werden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns alle mit eigenen diskriminierenden Verhaltensweisen beschäftigen.

Awareness-Team

Während unserer Veranstaltung steht euch ein Awareness-Team zur Seite. Dieses unterstützt euch, falls ihr eine unangenehme Situation beobachtet oder euch selber unwohl fühlt. Das Team wird sich vor Beginn der Veranstaltung vorstellen und die gesamte Zeit über ansprechbar sein. Dazu wird es auch telefonisch erreichbar sein.

Darüber hinaus können wir keine weiterführende Beratung, wie beispielsweise eine psychologische Betreuung, anbieten. Wir können euch aber Kontaktadressen von möglichen Unterstützungsangeboten geben, an die ihr euch wenden könnt. Jede Person kann sich an uns wenden, wenngleich unser Awareness-Team nicht alle Vielfaltskategorien und Diskriminierungsformen abbilden kann.

Online-Veranstaltungen

Neben den Veranstaltungen vor Ort führen wir auch Online-Veranstaltungen durch. Bei Online-Veranstaltungen können Teilnehmende schneller und anonymer diskriminiert werden, als vor Ort. Das macht es schwerer, die Veranstaltung für jeden Menschen sicher zu gestalten. Wenn ihr eine Grenzverletzung oder Diskriminierung beobachtet, selber erlebt/ erlebt habt oder eine Situation nicht einschätzen könnt, dann könnt ihr uns gerne anrufen oder per Privatchat schreiben.

Wann findet ein Ausschluss von der Veranstaltung statt?

Diskriminierung und Grenzverletzung, die dazu führen, dass ein weiteres gemeinsames Miteinander in der Veranstaltung nicht mehr möglich ist, können zum Ausschluss führen.

Awareness leben!

Diese Veranstaltung soll für jede Person eine angenehme Zeit sein, in der sie sich wohl fühlen kann. Um dies zu erreichen, gibt es Punkte, die uns wichtig sind:

Seid achtsam im Umgang miteinander! Jeder Mensch soll in dieser Veranstaltung die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren. Dies soll unabhängig sein von Nationalität, ethnischer Herkunft, sozialer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität sowie weiterer Unterschiede.

Seid respektvoll! Lasst einander ausreden und seid offen, voneinander und miteinander zu lernen. Seid aufgeschlossen für die Positionen anderer – solange in diesen keine Diskriminierung/ grenzverletzendes Verhalten enthalten sind.

Man kann einem Menschen nicht das Geschlecht ansehen. Schreibt daher gerne neben eure Namen eure Pronomen. Nehmt dies bitte ernst und sprecht die Menschen nur mit den Pronomen an, die sie aufgeschrieben haben.

Achtet auf Konsens – nur Ja heißt Ja! Wenn ihr euch unsicher seid, wie nah ihr einem Menschen kommen könnt, dann fragt nach. Respektiert die Bedürfnisse und Grenzen anderer sowie eure eigenen.

Macht euch eure eigenen Privilegien bewusst und sensibilisiert euch für Diskriminierung. Diskriminierung kann nur weniger werden, indem sich mit den eigenen diskriminierenden Verhaltensweisen beschäftigt und an diesen gearbeitet wird.

Seid aufmerksam und übernehmt Verantwortung! Wenn ihr eine unangenehme Situation beobachtet, fragt nach, ob die betroffene Person sich okay fühlt. Bietet eure Unterstützung an.

Wenn ihr eine unangenehme Situation beobachtet oder euch selbst unwohl fühlt, dann meldet euch gern beim Awareness-Team! Dieses ist dafür da, um euch zu unterstützen. Das Team wird sich vor Beginn der Veranstaltung vorstellen und die gesamte Zeit über ansprechbar sein. Dazu wird es auch telefonisch erreichbar sein.

Passt aufeinander auf und beachtet eure individuellen Grenzen!

Awareness-Team des KgKJH

Die Mitgliederversammlung des KgKJH wählte, in Anknüpfung an den Verhaltenskodex und das Awareness-Konzept des KgKJH, auf der Mitgliederversammlung am 9. Februar 2022 drei Awareness-Beauftragte, die gerne ansprechbar sind.

Ansprechpersonen folgen